Wieder ein schöner Artikel in der SZ

Boxdorfer reisen durch Jahrhunderte

Seit anderthalb Jahren wird in dem Moritzburger Ortsteil die große Jubiläumsfeier vorbereitet. Am Freitag ist es endlich so weit.

Von Beate Erler


August 775 Jahre urkundliche Ersterwähnung. Die Vorfreude darauf steht den drei Hauptorganisatoren vom Heimatverein Tina Bauschke, Rositta Richter und Burkhard Hartung ins Gesicht geschrieben. Günter Kuntzsch hat für den großen Festumzug einen Zeppelin gebaut. Mit diesem wird an ein besonderes geschichtliches Ereignis des Ortes erinnert.  © André Wirsig

 

Boxdorf. Eine Woche vor der 775-Jahrfeier gibt es in Boxdorf noch einiges zu besprechen und zu organisieren. Da sind die zehn Gießkannen, die bepflanzt werden müssen. Da ist die Marmelade für das zwei Meter lange Brot, die noch fehlt. Und da sind die Kisten voll mit Tombola-Sachen in Tina Bauschkes Büro, die auch noch ausgepackt werden müssen. Trotzdem bleibt dem Organisationstrio des Heimatvereins noch Zeit, ein bisschen in der Vergangenheit zu schwelgen. Schließlich spielt die beim Jubiläumsfest eine große Rolle.

 

Alte Schwarz-Weiß-Fotos aus dem Jahr 1907 liegen auf dem Gartentisch. Der Jugendverein Boxdorf hat sich damals in festlicher Kleidung vor dem Vereinshaus versammelt. Mädels und Jungs, noch brav voneinander getrennt, posieren für den Fotografen. Günter Knutzsch, der gegenüber vom Alten Gasthof wohnt, erkennt auf den Bildern fast alles wieder. Im großen Festumzug, der am 20. August von der Waldteichstraße über die Hauptstraße zieht, hat er die Nummer 24. Sein „fliegender Wagen“ stellt sicherlich Boxdorfs kürzestes geschichtliches Ereignis dar.

 

Mit alter Fliegerjacke und Brille steht Günter Knutzsch vor seinem selbstgebauten Zeppelin. Drei Wochen Arbeit stecken in dem Luftschiff. „Der Rahmen ist aus Rohr, das ich selbst gebogen habe“, erklärt er. Ummantelt ist es mit Unterspannbahn, die beim Dachdecken verwendet wird. Für den Umzug wird der Zeppelin auf einen Wagen verladen, den sein Erbauer mit einem Traktor zieht.

 

„Die Geschichte dahinter ist, dass in Boxdorf der erste Dresdner Flugplatz eröffnet wurde“, erklärt Burkhard Hartung, der sich im Organisationstrio vor allem um den Festumzug kümmert. Im Jahr 1913 landete ein Zeppelin auf der Wiese hinter der Boxdorfer Schule. Kurz danach wurde der Betrieb wieder eingestellt. Trotzdem soll der Wagen mit der Nummer 24 an dieses besondere Ereignis erinnern. Insgesamt gibt es 59 Wagen, die von Vereinen und einzelnen Boxdorfern gestaltet wurden.

 

Auch für die drei Hauptorganisatoren der 775-Jahrfeier wird es eine Überraschung, wie die Wagen aussehen werden. Verkleidet als Dienstmagd, Müllerin und Müller sind Tina Bauschke, Rositta Richter und Burkhard Hartung schon mal in ihre historischen Kostüme geschlüpft. „Wir wissen, dass sich alle viele Gedanken machen und Mühe geben“, sagt Tina Bauschke, verantwortlich für die Werbung der Feier. In ihrer Rolle beim Festumzug lebt sie gefährlich: Sie verkörpert eine Boxdorfer Dienstmagd, die im Jahr 1768 gehängt wurde. Sogar ein selbstgebauter Galgen und ein Scharfrichter fahren auf ihrem Wagen mit.

 

Das größte Problem bei der Organisation waren die Finanzen: „Wir mussten immer dafür sorgen, dass wir an Geld kommen, um unsere Wünsche für die Feier umsetzen zu können“, sagt Tina Bauschke. Neben dem Großsponsor Globalfoundries hat auch die Gemeinde Moritzburg das Fest finanziell unterstützt. „Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde lief sehr gut“, sagt Burkhard Hartung. Dennoch hat Tina Bauschke noch auf anderem Weg für Einahmen gesorgt.

 

So hatte sie die Idee zu einem Spendenbrot. Das Backwerk mit dem Boxdorfer Wappen gibt es seit einem Dreivierteljahr bei zwei ortsansässigen Bäckern. Jeweils 50 Cent vom Preis werden für das Fest verwendet. Dass sich Tina Bauschke so engagiert, liegt zum einen daran, dass sie in Boxdorf geboren wurde, zum anderen, weil sie die 750-Jahrfeier vor 25 Jahren als Kind miterlebt hat. „Damals gab es eine Tombola, bei der man ein echtes Schwein gewinnen konnte“, sagt sie. Auch diesmal ist eine Tombola dabei, die sie organisiert hat. Und als Hauptgewinn wartet wieder ein Schwein – ein gebackenes Spanferkel.

 

Alle drei hoffen auf viele Besucher, damit sich die anderthalb Jahre Vorbereitungszeit auch gelohnt haben. „Wir rechnen mit mindestens 6 000 und bestenfalls mit 10 000 Gästen“, sagt Burkhard Hartung. Alle Ortsteile der Gemeinde und die direkten Nachbarn Wilschdorf und Wahnsdorf werden beim Festumzug dabei sein. Das erhöht die Chancen auf viele Besucher und Radebeul ist ja auch nur einen Katzensprung entfernt, sagt Tina Bauschke.

 

Obwohl das Fest noch nicht einmal begonnen hat, gibt es in dem Team schon Pläne für das nächste Ereignis in zwei Jahren. Dann soll die Chronik von Boxdorf erneuert werden. Anlässlich des 777. Jubiläums der urkundlicher Ersterwähnung wird die Geschichte neu geschrieben werden.