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Sächsische Zeitung vom 13. Juni 2017

Die Vorbereitungen zur 775-Jahrfeier gehen in die heiße Phase. Alle Fäden laufen bei einem kleinen Team zusammen, das vor Plänen sprudelt.

Von Ulrike Keller

Die Veranstaltungsmacher: Tina Bauschke (von links), Burkhard Hartung und Rositta Richter haben alle Hände voll zu tun. Hier, vor der alten Eiche am Boxdorfer Bebelplatz, sind eine große Bühne und eine Vielzahl von Essensständen geplant. Die Hauptstraße wird während der Festtage gesperrt sein.

© René Plaul

Boxdorf. Noch ist es an der König-Albert-Eiche ruhig. Doch in gut zwei Monaten wird ringsherum die Post abgehen. Boxdorf feiert vom 18. bis 20. August 775 Jahre urkundliche Ersterwähnung. Und dafür haben sich im Kern drei Mitglieder des Heimatvereins ordentlich ins Zeug gelegt.

„Die Hauptstraße hier am Bebelplatz wird gesperrt, und vor der Eiche wird eine große Bühne aufgebaut“, erzählt Rositta Richter, die sich im Schwerpunkt ums Programm kümmert. „Hier treten an allen drei Tagen verschiedene Künstler und Gruppen mit lokalem Bezug auf“, verrät die Buchhalterin, die seit ihrer Kindheit in Boxdorf lebt. „Wir wollen mit den Aufführungen zeigen, wie groß die Vielfalt an Künstlern in unserer Region ist.“ Burkhard Hartung lacht. „Von Klassik bis Hardrock ist wirklich alles dabei“, sagt er. Der 54-jährige Markt- und Sozialforscher zog vor acht Jahren nach Boxdorf und organisiert vor allem den großen Festumzug am 20. August.

Dieser wird an der Eiche auslaufen. „Zu jedem wichtigen Ereignis in der Geschichte Boxdorfs gibt es ein Bild“, erklärt er. Alle Ortsteile plus die direkten Nachbarn Wilschdorf und Wahnsdorf werden vertreten sein. Die 67 Wagen bilden nach ersten Schätzungen eine Gesamtlänge von rund einem Kilometer. Geplant ist, dass der Festumzug in etwa die gleiche Strecke nimmt wie zu den Feierlichkeiten vor 25 Jahren.

Daran erinnert sich die Jüngste im Trio noch sehr genau. Tina Bauschke, 37, ist in Boxdorf aufgewachsen und lief als Zwölfjährige mit dem Wagen der Schule mit. „In Leggins und mit Hula-Hoop-Reifen“, wie sie noch weiß. Wegen dieser schönen Erinnerung bereitet sie jetzt sehr gern das nächste Fest mit vor. Als Werbefachfrau mit Büro in Boxdorf ist sie hauptsächlich für die Werbung der Feier zuständig. Zusätzlich kümmert sie sich um die Tombola und um drei Wagen beim Festumzug. „Das Fest soll uns als Großgemeinde zusammenbringen. Alle Ortsteile haben viel zu bieten“, sagt sie.

Unterstützung erhalten die drei Ehrenamtsmanager vom Ortschaftsrat. Ortsvorsteher Frank Schreier hat sich der Finanzen angenommen und Ortschaftsratsmitglied Peter Parentin ist der Mann fürs Bürokratische. Er holt alle Genehmigungen ein. Außerdem, das betont Tina Bauschke, beteiligen sich drei weitere Mitglieder des Heimatvereins und viele Leute aus dem Ort. Ältere Damen nähen beispielsweise schon seit dem Winter Wimpelketten, die das Dorf schmücken werden.

Doch die Hauptfäden laufen bei den drei unermüdlichen Jubiläumsmachern zusammen. Vor anderthalb Jahren schon haben sie mit den Vorbereitungen begonnen. Nun sind die Feinabsprachen zum Programm gerade in den letzten Zügen.

Fest steht, dass es eine zweite Bühne im Festzelt hinter der Turnhalle geben wird. Dort finden Konzerte statt und Shows, etwa von Feuerartisten und Taekwondo-Sportlern. Gleich daneben entsteht ein kleiner Rummel mit Mini-Riesenrad, Karussell, Hüpfburg und Ponyreiten. In der Sporthalle selbst können die Besucher sich unter anderem im Bogenschießen ausprobieren. Außerdem stellen sich einige alte Gewerke vor. Historisches Handwerk à la Schmied, Stuhlflechter und Töpfer präsentiert sich darüber hinaus auf dem Platz hinter dem Alten Gasthof.

Geschichte zum Anfassen im großen Stil demonstrieren auch Historiendarsteller an zwei Orten. Schräg gegenüber der Wiese hinterm Alten Gasthof schlagen napoleonische Truppen ihr Feldlager auf und erinnern daran, dass auch Boxdorf Schauplatz der napoleonischen Befreiungskriege war. Zudem lagern an der Kita mittelalterliche Truppen und vermitteln eine Idee von der Zeit, in der die urkundliche Ersterwähnung des Ortes im Jahre 1242 erfolgte.

„Es wird ein Fest von uns und für uns“, sagt Tina Bauschke. Darum ist der Eintritt auch frei. Finanziell ermöglicht wird das breite Angebot durch den Hauptsponsor Globalfoundries und rund 30 weitere Geldgeber. Darüber hinaus tragen zahlreiche Sachspender zum Gelingen des Fests bei.

„Das alles zu organisieren, macht einen Haufen Arbeit“, sagt Tina Bauschke ehrlich. Ihre zwei Mitmanager stimmen nickend zu. „Aber mir liegt das gesellschaftliche Leben schon immer am Herzen“, sagt Rositta Richter. Weil sie sehr viele kenne, könne sie vieles organisieren. Auch Burkhard Hartung möchte sich gern in der Gemeinde einbringen. „Es ist ein schönes Miteinander“, findet Tina Bauschke. „Und es macht Spaß, wenn man seine eigene Begeisterung auf die Leute übertragen kann.“

Koberchen

Boxdorf – Hier war ich schon immer gern

Artikel aus dem aktuellen Gemeindeboten

 

Ich? Ich bin das Koberchen. Ich hoffe, Ihr kennt mich noch? Wenn nicht, dann schaut doch mal im Sagenbuch des Königreichs Sachsen rein. Denn ich war schon immer hier zuhause, im Dresdner Heidebogen, in dieser weltweit einzigartigen Moritzburger Kleinkuppenlandschaft. Kein Witz!

Aber ich war allein. So holte ich mir ein paar Leute her. Immer mal wieder andere, so alle tausend Jahre. Die letzten kamen aus der Lausitzer Kultur. Sie haben „An der Otteritz“ (früher Otterleite= Hang mit vielen Ottern/ Schlangen) so einiges liegen gelassen. Schön brav, habt Ihr in der Mühle einiges ausgestellt.

Irgendwie war dann aber Schluss mit Besiedelung. Nur kleine Gruppen aus germanischer Zeit und noch weniger aus der slawischen, die eher in den Elbniederungen zu finden waren. Bis ich dann jemanden fand, der hier wohnen wollte: Herrn Pokoj. Na ja, jetzt wuchs das kleine nette Dörfchen und Herr Pokoj war der wichtigste Mann, Dorfschulze oder so. Deswegen war es ja auch das Dorf des Pokoj, also „Bokoisdorph“, mit sächsischem „P“ und im lateinischen gibt es kein „j“.

Woher ich das weiß? Steht so geschrieben. In einer schicken Urkunde aus dem Jahr 1242, also genau vor 775 Jahren. Der Inhalt der Urkunde beschreibt die Rückübereignung von Wilschdorf. Das aus dem Feudalrecht stammende Eigentum des Ritters von Kötzschenbroda wurde, über den Bischof Conrad von Meißen, dessen Siegel die Urkunde trägt,  in das Bistum rückübereignet. Wilschdorf wird dem Kloster St. Afra in Meißen als Lehen zugeordnet. In der genauen Beschreibung der Grenzen wird unter anderem die Straße von Boxdorf nach Dresden erwähnt: „…in via, qua itur de Bokoisdorph contra Dresden…“. Aber Ihr habt mir nicht vertraut und im Zweiten Weltkrieg die Urkunden aus der Hand gegeben. Tja, jetzt sind sie verschwunden. Gut dass ich 1873 Abschriften in Latein hab machen lassen. Sonst wüsstet Ihr nicht einmal, warum Ihr dieses Jahr so eine Riesenfeier auf die Beine stellt.

1242

Bokoisdorph

1279

Bokendorf

1350

Buchsdorf

1378

Pogkanstorf

1411

Pockersdorff

1445

Pockelstorf

1462

Buckestorff

1470

Bucksdorf

1490

Boxdorff

1561

Poxdorf

1618

Bocksdorff

1701

Boxdorf

1761

Poxdorf

jetzt

Boxdorf

Wenn Ihr wissen wollt, wie das Leben in dieser Zeit so war, dann schaut mal vorbei. Zum Dorffest lagern ritterliche Truppen hinter der Kita Kleeblatt und geben Einblick in das Leben der Zeit.

Jetzt hat unser Dorf also einen schönen Namen. Gut, es gab noch keine gemeinsame Schriftsprache. Aber müsst Ihr alle Nase lang den Ortsnamen anders schreiben? Na, da bin ich mal wieder aktiv geworden und habe Euch eine Eselsbrücke gebaut. Angelehnt an den Namen von 1618 habe ich Euch im Jahre 1748 einen Ziegenbock für Euer Siegel gestiftet. Der hat zwar nichts mehr mit Herrn Pokoj zu tun, passt aber zum landwirtschaftlichen Charakter und seitdem klappt es auch mit der Schreibweise, wenigstens fast.

Das Dorf hat sich prächtig entwickelt. Und Ihr habt Euch genommen, was Ihr bewirtschaften konntet. Selbst große Teile einer in den Hussitenkriegen zerstörten Ortschaft, die seit dem Brach lag, die Wüstung Cunnersdorf, ungefähr dort, wo heute der Obere Waldteich liegt, habt Ihr Euch einverleibt.

Die Landwirtschaft war der Haupterwerbszweig. Heidegrütze (Buchweizen) war vorherrschend, später kamen andere Getreidesorten und Kartoffeln dazu. Viehwirtschaft habe ich Euch auch ermöglicht. Der Straßennamen „An der Triebe“ zeugt noch davon. Hier wurde das Vieh aus dem Dorf zu den Weiden getrieben, Schlehenhecken verhinderten den Ausbruch des Viehs auf die Felder. Jetzt wolltet Ihr es Euch gut gehen lassen und der Weinbau zog ein. Einige Pfahlhaufen (1 Pfahlhaufen= 7 Schock= 420 Weinstöcke) besitzen fast alle Höfe. Das „Weingebirge“ an der Baumwiese wurde eher von den feinen Herrschaften genutzt. So kamen die herrschaftlichen Villen Baumwiese, Lindenhof und Waldhof in unser Dorf. Bearbeitet wurden die Hänge, deren Steinmauern noch heute sichtbar sind von uns Boxdorfern. Dazu wohnten wir in eigenen Häusern, den Weinberghäusern. An der Weinbergstraße 7 steht noch eins. Es ist zugleich das älteste noch existierende Haus in Boxdorf. Aber Ihr habt mir nichts abgegeben und so habe ich Euch 1890 eine Reblausplage geschenkt und damit den Weinbau beendet.

Überhaupt war dieses Jahrhundert nicht besonders gut zu Euch. So habt Ihr gerade die Wirren des Siebenjährigen Krieges überstanden, in dem die Österreichischen Truppen sich auf unserer Flur verschanzt haben, daher auch der Straßennamen „An der Sternschanze“. Und nun waren 1813 schon wieder fremde Truppen im Ort. Napoleonische Truppen wollten über Baumwiese, Fiedler- und Nesselgrund nach Boxdorf, wurden aber von russischer Infanterie und Kosaken sowie der österreichischen Artillerie zurückgeworfen. An der Großenhainer Straße gab es ein Franzosengrab. Ständig wurden im 20. Jahrhundert bei Bauarbeiten Kanonenkugeln, Skelette und Uniformreste gefunden. Zum Dorffest gibt es ein napoleonisches Zeltlager neben der Turnhalle und zeigt Euch das Leben der Soldaten zu dieser Zeit. Geschossen wird natürlich auch.

Als Koberchen trete ich dreifach in Erscheinung: als Hauskoberchen bringe ich Glück und beschütze Eure Gebäude, als Stallkoberchen sorge ich für gesundes Vieh und als Düngekoberchen bringe ich Euch gute Ernte und beschütze Euch vor Unwetterschäden. Aber immer nur, wenn Ihr gut zu mir seid. Wenn nicht, komme ich auch nicht und Ihr seid Eurem Schicksal selbst überlassen. So wie im Jahre 1828 als 20 von 42 Bauerngehöften im Dorfkern niederbrannten. Endlich konntet Ihr 1839 eine eigene Bockwindmühle bauen. Aber auch sie ist abgebrannt. Dann habt Ihr eine Holländermühle aufgebaut, auch die ist abgebrannt.  1866, als wir zusammen mit den Österreichern gegen die Preußen kämpften, wurde uns verboten, die Mühle in Betrieb zu setzen, 1887 dann noch einmal ein Blitzschlag. 1904 habt Ihr dann aufgegeben und die heutigen steinernen Zinnen aufgebaut und die Mühle als Aussichtsturm genutzt. Heute beherbergt sie ein Museum, indem Ihr alles nachlesen könnt, was ich Euch hier erzählt habe und noch viel, viel mehr. Ich möchte auch eine neue Chronik schreiben mit all den interessanten Geschichten, die es im Laufe der Zeit zu erzählen gab. Wer noch etwas weiß und einen Beitrag zur neuen Chronik bringen möchte, der melde sich bitte beim Heimatverein.

Ich könnte noch so einiges berichten, von Euren Vereinen, der Feuerwehr, der Schule, den Zollhäusern und, und, und…. Aber alles das könnt Ihr live erleben zum Dorffest, wenn am 20. August um 14:00 Uhr der große Festumzug, der die ganze Geschichte Boxdorfs darstellt mit weit über 300 Teilnehmern, sich in Bewegung setzt. Am Samstag gibt es zudem einen Tag der Offenen Tür bei der ASB an der Schulstraße, der auch die Sanitätsdienste für unser Fest übernimmt. Alle Informationen findet Ihr im Programmheft, hier in der Mitte.

Schade, dass die Bürokratie des Landratsamtes unsere Umzugsstrecke stark reduziert hat, und wir nicht wie etwa 1992 laufen können. Aber in Meissen gibt´s halt kein Koberchen, das für Euch sorgt. Also seid gut zu mir und ich beschütze Euer Fest so gut ich kann. Vielleicht bringe ich ja noch eine leuchtende Überraschung für Samstagnacht mit. Wer weiß...

 

Burkhard Hartung, Heimatverein Boxdorf e.V.

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