Winter adé

„Der Geist der Natur regt sich in allem, was lebt und webt; aus dem tiefen Schlafe, in den ihn der frostige Winter gebannt, erwacht er nun zum neuen, fröhlichen Leben.“

Sollte es doch noch einmal kalt werden – dann liegt es gewiss nicht am Heimatverein Boxdorf. Wir haben unser Bestes gegeben, um den Winter endgültig in die Schranken zu weisen, ganz im Sinne von E.T.A. Hoffmann, den wir zu seinem 250. Geburtstag hier zitieren dürfen.

Mit seiner finst‘ren und unheimlichen Romantik passt er ganz gut zum Winteraustreiben 2026. Nach langem warmem und trocknem Wetter haben wir den Aufbau zum Fest noch ohne Jacke bewältigen können. Doch innerhalb kürzester Zeit wurde es dunkel, eisig und der Wind legte kräftig zu. Das geplante Feuer musste kleiner ausfallen. Aber regnen sollte es dann doch nicht.

An der Turnhalle lauerten die Kinder mit Begleitpersonal schon auf das Kommende. Fackeln wurden verteilt, ein paar kurze Reime zur Einleitung und ab ging es mit Getöse, Getrommel und mächtig Lärm zum Mühlenplatz hinauf. Den Winter im Schlepptau, die schwere Glocke im schlagenden Gebrauch, Pfeifen und Tröten kündigten den Zug vorbei an Gärten und Häusern an. So mancher konnte sich einen verschmitzten Blick aus dem Küchenfenster nicht verkneifen. Dank an die Jugendfeuerwehr, die verantwortungsvoll das Treiben wie gewohnt professionell absicherte. Dank an die Familie Pietzsch, die nicht nur die schwere Strohpuppe auf dem Handwagen den Gallberg hinaufziehen musste, nein, sie musste zudem zusehen, wie die Arbeit der vergangenen Wochen an eben diesem Strohwerk, dem Feuer preisgegeben wurde und in Nullkommanix in den Flammen entschwand.

Den Richtplatz an der Mühle erreichend, gab es eine kurze Verschnaufpause. Die wunderbaren Kostüme der Tanzmühle Boxdorf schonend, wurde das Feuer erst später entzündet. Die herrlichen Tanzkleider, in grün und blau leuchtend, konnten so viel spektakulärer in Szene gesetzt werden. Von Sonne keine Spur, die Dämmerung weit fortgeschritten, im Hintergrund die beleuchtete Mühle, nahmen die Kinder der Tanzmühle Boxdorf und Leitung von Frau Gärtner Aufstellung für die Eröffnung des traditionellen Spektakels an dem Abend. Gänsehautmomente pur! Zur perfekt abgestimmten Musik schlugen die blau leuchtenden Flügel der Kinderschar, den Winter symbolisierend, noch kräftig in die Runde, doch zunehmend übernahmen die grünstrahlenden Röcke das Zepter und kreisten die „blauen“ Tänzerinnen immer weiter ein, bis sie diese bedecken konnten. Ein sehr ausdrucksstarker Beginn zu diesem Winteraustreiben. Herzlichsten Dank an die Kinder und an Frau Gärtner.

Die nun entzündeten Flammen ergriffen Scheit um Scheit, die Protagonisten des Sommers und Winters ließen sich kampfeslustig anstecken und trugen ihren ewigen Streit aus. Die Texte neugestaltet und deutlich ausgeweitet, kreisten die Darsteller ums Feuer, ständig dem nicht aufzuhaltenden Funkenflug ausweichend, unter der strengen Aufsicht der Freiwilligen Feuerwehr Boxdorf, stets bereit, das zunehmende Glimmen der Perücken und Kostüme zu ersticken. Mit präsenter Stimme und gestenreich fochten die Schauspieler der „Ritter der Schwafelrunde“ den Sieg des Sommers über den Winter aus, der nun immer kläglicher, wie die schwindende Strohpuppe im Feuer, verschwand. Klasse gemacht, einen Riesendank an die „Ritter“ für die Textgestaltung und die Darstellung. Vom 2. bis zum 5. Juli gibt es ein Wiedersehen zum Sommertheater mit den Rittern der Schwafelrunde und ihrer Interpretation der Tragödie um Dr. Faustus.

Jetzt konnte man sich genüsslich den Köstlichkeiten aus Topf und Krug hingeben. Gesellig und gemütlich klang der Abend bei interessanten Gesprächen aus. Man kann nicht genug betonen, wie die Zusammenarbeit der Vereine in Boxdorf gut und freundschaftlich, hilfsbereit und verantwortungsvoll unterstützend funktioniert. So sieht ein gesundes Gemeinwesen aus. Daher danken wir aus vollem Herzen den Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Boxdorf für ihre uneigennützige Hilfe und Unterstützung des Winteraustreibens, für die Betreuung des Feuers, der Eindämmung des Funkenfluges und beim Abbau am späten Abend. Und was wäre das ganze Treiben ohne Musik, ohne technische Unterstützung der Schauspieler ohne die wunderbar erstrahlende Mühle? Ohne „Die Hütte“ wäre der Abend ganz schön blass gewesen. Ein Riesendank auch an Euch. Und ohne Heimatverein? Idee, Organisation, Kostüme, Feuer, Auf- und Abbau, Gastronomie und, und, und. Der gleiche Dank geht an alle Helferinnen und Helfer des Heimatvereins für Ihren unermüdlichen Einsatz. Ohne das Engagement dieser Vereine würde der Platz an der Mühle ziemlich verwaist aussehen.

Zum Abschluss sei noch einmal ein Bild erlaubt. Beim Aufräumen am Sonntagmorgen, war der Festplatz wilder als beim Verlassen vom Vorabend??? Krähen saßen auf den Mülleimern und verteilten den Inhalt fleißig und mit offensichtlicher Freude über den Platz. Ganz wie in Claude Monets Winterbild „Die Elster“, den wir zu seinem 100. Todestag hier erwähnen dürfen, warf die Sonne am Morgen lange Schatten, die dunklen Wolken verzogen sich und die Vögel wirkten wie ein Frühlingsbote. Nun ist auch mal gut mit den kalten Tagen!

Hier gibt es noch Informationen zur Tradition!

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