Busfahrt Breslau 2026

Jubiläumsfahrt des Heimatvereins Boxdorf nach Breslau:
Von Luftnummern, Rasenmäher-Stadtführern
und gepflegter Dekadenz an der Oder!

Wenn der Heimatverein Boxdorf die Koffer packt, ist gewöhnlich nach einem Tag wieder Schluss. Doch zum 10. Jubiläum unserer traditionellen Vereinsfahrt sollte es etwas ganz Besonderes sein: Ein Dreitagesausflug ins wunderschöne Breslau!

Am Freitagmorgen um 8 Uhr rollte der Bus am Alten Gasthof vor. Die Stimmung? Bestens. Der Fahrer? Absolute Spitzenklasse. Der Plan? Entspannt nach Polen gleiten. Doch schon beim ersten Zwischenstopp im Hirschberger Tal zeigte sich, dass eine Jubiläumsfahrt ohne ein kleines Abenteuer gar nicht schmecken würde.

Auf der beeindruckenden alten Schlossanlage in Lomnitz -wirklich eine Reise wert- staunten wir nicht schlecht über den Mut und das Risiko der Eigentümerfamilie, die dieses Juwel wieder aufgebaut hat. Angefangen hat es mit dem Verkauf des Hochzeitsgeschirrs, um das Dach decken zu können. Mal ehrlich, wer bekommt für sein Hochzeitsgeschirr ein ganzes Dach? Aber gut, so ging es weiter: ständig am Abgrund, natürlich mit vielen Fördermitteln, dennoch mit viel persönlichem und riskanten Aufwand strahlte das gesamte Ensemble 30 Jahre später in nahezu altem Glanze. Kaum Geld, da kauft man noch die ganzen umliegenden Güter dazu, die früher Bestandteil des Gutes waren. Mit Gastronomie und dem Leinengeschäft lässt sich zusätzlich zum Tourismus eine Finanzierung aufbauen. Viele von uns schauten in die alte Leinenweberei, -tolle Stoffe, tolle Geschichte- die der Region so viel Reichtum brachte.

Beim Blick auf unser Transportmittel staunten wir mindestens genauso: Dem Bus war schlichtweg die Puste ausgegangen – ein Reifen hatte spontan beschlossen, absolut keine Luft mehr zu halten. Fünf Stunden Wartezeit auf den Pannendienst! Ein Desaster? Wo denkt Ihr hin! Die Schlossgastronomie rieb sich freudig die Hände, die Sonne lachte vom Himmel und der Heimatverein tat das, was er am besten kann: er improvisierte. Bei herrlichstem Wetter nutzten wir die Zwangspause für ausgiebige kulinarische Studien und tranken uns die Wartezeit reichlich schön. Böse Zungen behaupteten später, einige hätten gehofft, der Mechaniker komme noch später.

Gegen 21 Uhr erreichten wir schließlich Breslau. Das Hotelpersonal war fantastisch, hatte das Abendessen extra für uns zur fortgeschrittenen Abendstunde frisch zubereitet. Reichlich spät fürs Abendbrot und das in drei Gängen. Kein Problem, es gibt ja noch den Verdauerli. Mit der nötigen Bettschwere war erst einmal Erholung angesagt. So viel Aufregung, alles an einem Tag!

Der Samstag begann klassisch: Erst eine geschmeidige Stadtrundfahrt mit dem Bus, dann der Fußmarsch durch das Jüdische Viertel, die Altstadt, vorbei am Rathaus, über den Marktplatz bis hin zur Dominsel. Unser Stadtführer legte dabei ein Wahnsinnstempo an den Tag! Er wollte sein gesammeltes Lebens- und Stadtwissen abladen und jagte uns so sportlich von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, mit nicht enden wollenden Ausführungen, so dass uns bald die Zunge bis auf den Asphalt hing.

Als nach etlichen Stunden Dauerlauf die ersten besorgniserregenden Anzeichen von chronischer „Unterhopfung“ in den Gesichtern der Vereinsmitglieder auftauchten, zog ein großer Teil der „Erkrankten“ die Notbremse: Abbruch der Führung; schnell die Symptome bekämpfen!  Auf eigene Faust sicherten wir uns das Überleben in den umliegenden Lokalen und löschten den akuten Durst. Einige Hartgesottene kämpften sich weiter durch die mehr als interessante Geschichte all der herrlichen Gebäude. Es war nur ein bissl viel auf einmal und die Sonne brannte unerbittlich.

Zum Abendessen ging es in einen urigen, alten Gewölbekeller. Getränke gingen wegen der gestrigen Verzögerung auf das Reiseunternehmen. War natürlich nicht nötig, wir haben aber auch nicht nein gesagt. Nach einem traditionellen schlesischen Menü tauchten wir ein in das bunte Treiben der Stadt. Der riesige Marktplatz war voll von feiernden, gut gelaunten Menschen. Ob Bühnen, Feuerspucker oder Straßenkunst – überall herrschte fröhlicher Trubel. Was uns allen positiv auffiel: keine Absperrungen, keine Betonklötze, kein Graffiti und eine unglaublich saubere Stadt. Alles wirkte unbeschwert und locker. Der disziplinierte und eifrige Stadtführer schien in diesem Lichte, wie von einem anderen Stern. Leider gab es in diesem Trubel keinen Platz für 49 Durstige an einem Ort.

Also gönnten wir uns den krönenden „Absacker“ auf der Hotelterrasse – direkt an der Oder mit einem traumhaften Blick auf die beleuchtete Altstadt. Sagen wir es so: Die Getränkekarte wurde gründlich durchgearbeitet und die Boxdorfer Delegation hat ordentlich zugeschlagen!

Am Sonntag stand noch die berühmte Jahrhunderthalle auf dem Programm. Unser fachmännisches Urteil: baulich und statisch zwar interessant, aber für echte Genießer fehlt da der Charme. Also entschieden wir spontan: zurück auf den herrlichen Marktplatz für ein allerletztes, genüssliches Bierchen in der Sonne. Dann nochmal mit Tempo Richtung Dominsel und zur Oder-Schifffahrt. Leider keine Getränke und auch keine Erläuterungen, schade. Auffallend: an den Ufern wurde überall gegrillt und gefeiert, ein Lokal neben dem anderen, alle genossen Sonnenstrahlen und Natur, keine Verbote, keine Einschränkungen, aber auch kein liegengebliebener Müll, alles sauber und ordentlich. Nun in den klimatisierten Bus und ab Richtung Heimat.

Pünktlich um 20 Uhr kamen wir am Alten Gasthof an – erschöpft, von der Sonne verwöhnt, überaus satt und voller fantastischer Erinnerungen. Breslau, du warst die Reise wert! Auf die nächsten zehn Fahrten!

Hier geht es zur Bildergalerie.

Hier alle Fahrten des Heimatvereins im Überblick:
2014 – Ölmühle Straupitz mit Scharmützelsee
2015 – Ferienpark Großkoschen, Eiserner Nagel, Krabatmühle
2016 – Dornburger Schlösser
2017 – großes Dorffest 775 Jahre Boxdorf
2018 – Zittau und Herrnhut
2019 – Halle mit Halloren und Schifffahrt auf der Saale
2020 – Corona
2021 – Corona
2022 – Görlitz und Räucherhäusl Herrnhut
2023 – Schloss Lichtenwalde und Talsperre Kriebstein
2024 – Naumburg und Himmelsscheibe Nebra
2025 – Altenburg und Mühle Gradschütz
2026 – Breslau, Dreitagesfahrt

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert