Mühlentag 2026

Überraschender Besuch zum Boxdorfer Mühlentag

Hallo zusammen! Erinnert Ihr Euch noch an mich? Lange nichts mehr voneinander gehört! Ich bin’s DAS KOBERCHEN. Jetzt sagt nicht, Ihr wisst nicht mehr, wer ich bin. Naja, sei’s drum. Will mich nicht mit meiner „Person“ aufhalten. Wer mehr über mich wissen will, liest hier nach.

Ich war mal wieder unterwegs im Dresdner Norden. Dachte mir, schau doch mal beim Mühlentag der Boxdorfer vorbei. Hatte in der Zeitung gelesen, dass die da allerhand vorhaben: einen alten Waschtag, unterhaltsames Programm, eine Bilderausstellung und vor allem gutes Essen! Und wie Ihr wisst, muss das Koberchen stets gut gefüttert werden.

Strahlend blauer Himmel, schön warm, kein Lüftchen wehte, also erstmal zu den Getränkeständen. Wow! Ganz schöne Auswahl an Bowlen und anderen Getränken, vor allem alles Flüssige fein gekühlt. Und das Beste: überall freundliche, gut gelaunte Menschen mit ihren schwarzen oder grünen T-Shirts des Heimatvereins. Ich nehm also einen Caipirinha aus dem Slush-Automaten, der ist extra kühl. So gestärkt, nun mal schauen, was alles auf dem Platz geboten wird.

Ganz vorn die Kleintierzüchter Reichenberg. Ist schon ein Aufwand, alles hier her zu transportieren. Wollte ich aber unbedingt sehen, stand ja auch in der Zeitung. Niedlich die kleinen Tierchen, vor allem die Kinder hatten da ihren Spaß. Hoffentlich wird den Tieren nicht zu heiß in der Sonne, aber es wurden schon Schirme aufgespannt.

Nun rüber zum Ponyreiten. Hoppala, schnell wieder aufstehen, nichts anmerken lassen, war wohl doch etwas viel Caipirinha?? Na, dann kein Pony, lieber bissl Stöbern. Was hier an den Ständen alles so Nettes angeboten wird. Die Versuchung an der Hüpfburg ist groß, viele haben hier ihren Spaß. Ich geh zum Waschtag.

Wahnsinn, was man da alles zusammengetragen hat. Sah ja wirklich aus wie früher. Also für Euch. Schön, wie so viele sich an die schwere Arbeit wagten. Heute ein Spaß, damals Alltag. All die tollen Sachen zum Waschen, die uralten Utensilien, die Zuber, die Wäsche, das Brett, sogar Kernseife war vorhanden. Wo die das immer nur herkriegen? Teilweise haben einige immer und immer wieder gewaschen, wollten gar nicht mehr aufhören. Hätte ich das gewusst, hätte man ja noch bissl Wäsche mitbringen können. Auch das Koberchen muss glänzen.

Jetzt sollte der Magen gefüllt werden. Mannoman was für leckere Sachen. Das gibt’s sonst nicht so auf den Märkten. Alles mit verschiedenen Soßen zur Auswahl oder mit Krautsalat oder mit Schmorzwiebeln, da läuft einem das Wasser im Munde zusammen. Habe ich schon die netten Leute am Grill und in den Hütten erwähnt? Da schmeckt’s gleich noch besser.

So gestärkt rauf auf die Mühle. Mal kurz auf die Strichliste am Eingang geschielt: über tausend waren heute schon oben. Auf’s Museum bin ich gespannt. Naja könnte schon ein bissl weiter sein, wird wohl noch. Aber die Aussicht und das bei dem Wetter, Wahnsinn. Da sieht man mal, welche Strecken ich immer zurücklegen muss.

Noch ein Crepês? Muss ja. Überall Kinder, die fröhlich spielen oder auch Gipsfiguren bemalen oder beim Kerzendrehen zusehen. Auf dem Mühlenesel, in der Bastelstraße und dem Bungee-Trampolin. Boa, springen die hoch, nee da wird mir schwindlig. Dann lieber zu den alten Spielsachen. Schön, dass die Wurfbuden und Geschicklichkeitsspiele immer noch Anklang finden. Sieht man sonst ja auch nicht mehr. Ich finde es gut, dass jemand diese alten Sachen bewahrt und zeigt.

Die Bilderausstellung des Malzirkels interessiert mich noch. „Schaun mer mal“, was die Damen so alles drauf haben. Oh ja, nicht schlecht. Hier findest Du alles: Landschaften, Stilleben, Modernes, natürlich der Leuchtturm, Blumen, fantastische Farben. Sogar an Johannes Vermeer‘s „Mädchen mit dem Perlohrenring“ wurde sich stilsicher versucht. Super! Ob ich mich auch mal malen lasse? Draußen sitzt schließlich der ehemalige letzte sächsische Porträtmaler der Polizei.

Jetzt ein Stückl Kuchen. Fein gebacken vom Bäcker Liebscher. Der ist auch immer dabei, hat sogar seinen Backofen mitgebracht. Da nehm ich mir doch noch ein frisches Brot mit heim. Ich glaub, ich krieg schon wieder Durst. Zurück zu den „Hütten“. Was mir auffiel: alles war so toll geschmückt, überall waren Blumen in Kübeln, alten schönen Milchkannen und siehe da auch in einem Koberl, hier sagt man, glaube ich, „Hugge“, mit weichem „ck“, auch in der Mühle alles total nett hergerichtet. Die geben sich echt Mühe.

Nun mit leckerem Wein dem Programm gelauscht. Dieser Alleinunterhalter Chris hat aber auch ein Repertoire, er hat von Anfang an bis zum Schluss gespielt, sich immer wieder neu auf’s Publikum eingestellt, für jeden war etwas dabei. Keyboard, Gitarre, Mundharmonika und Gesang, ein Allrounder. Das klingt auch ohne Wein toll. Schon ein echter Profi. Der Heimatverein kann froh sein, so jemanden in seinen Reihen zu haben. Pünktlich zum Mittag der Boxdorfer Männerchor. Traditioneller Gesang vor hungrigem Publikum. Schöne ruhige Klänge unterhalten zahlreiche Gäste. Jetzt kommt Stimmung auf. Die Blasmusikanten aus Gahlenz spielen. Schon zum siebten Mal sind sie dabei. Man sieht, dass nicht nur das Publikum, sondern auch die Musiker ihren Spaß haben. Tolle Sache. Jetzt noch einmal was für die Kinder. Die kommen gerade aus der Schülerbühne und haben ein Theaterprojekt zu den „Weistropperwasser Wunderwelten“ erlebt und nun schnell ins Zelt, denn da sucht der Kaspar den Goldschatz aus der Mühle. So langsam geht der Wahnsinnstag zu Ende. Eigentlich wollte ich ja in der Gegend auch andere Feste erleben, aber irgendwie bin ich hier hängengeblieben. Also höre ich mir noch das „Major Twelve Ensemble“ an. Holla, die Waldfee, das ist aber mal ein Kulturgenuss. Junge Kerle, alle aus dem Kreuzchor, singen klassische und moderne Stücke in ihrem eigenen Stil. Gut, dass ich geblieben bin, sonst hätte ich wirklich etwas verpasst.

Ich habe aber noch Dinge gesehen, die Euch verborgen geblieben sind. Oder ist Euch aufgefallen, dass bei all dem Stress die Leute des Heimatvereins immer gut drauf waren? Habt Ihr gesehen, dass einige die ganze Zeit in der Küche zum Aufwaschen verbrachten und nicht viel vom Fest mitbekamen? Habt Ihr mal gezählt, wieviele für Euch im Einsatz waren an den Grills, in der Getränkeausgabe, um Nachschub zu holen, und, und, und? Das muss erstmal organisiert werden. Wusstet Ihr, dass alles selbst gemacht wurde? Das Fleisch schneiden und einlegen, die Soßen anrühren…? Vor allem habt mal Mitleid mit den Armen, die 15 Kg Zwiebel schälen und schneiden mussten. Alles schon am Samstag, auch der Aufbau der Hütten und der Zelte. Am Sonntag dann das Schmücken und zu Pfingstmontag ab 8 Uhr bereit sein. Und um 22 Uhr war alles wieder reine, abgebaut, verstaut. Ich ziehe meinen Hut vor diesem Engagement, also wenn ich einen hätte.

So ziehe ich nun weiter, gesättigt und beschwipst. Morgen habe ich sicher einen Kater. Nicht so schlimm, ich erscheine ja auch als solcher. Die Leute vom Heimatverein sind da mit ihrem Muskelkater schlechter dran. Ich komme jedenfalls wieder. Wenn alle so sind, wie die vom Heimatverein, braucht Ihr Euch keine Sorgen machen, dann halt ich meine schützende Hand über Euch.

Bis bald
Euer Koberchen

Alle Bilder gibt es hier.

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